Rein Hypothetisch
Feb 28th, 2008 by rb
Nehmen wir an, natürlich rein hypothetisch, an einer deutschen Universität im Südwesten des Landes gäbe es fachliche Kompetenz, die sich mit der technischen Nutzung von Photonen, ausgestrahlt von einem riesigen Feuerball in der Mitte unseres Planetensystems, befassen würde.
Soweit wäre das interessant.
Nehmen wir weiterhin an, es gäbe eine Hand voll Studenten, die sich für dieses Thema interessierten, und zu den ersten drei Terminen pünktlich erschienen, diese dort etliche Minuten warteten, um dann, jeweils über Umwege, erfahren zu müssen, dass der Termin kurzfristig abgesagt wurde, natürlich ohne Aushang vor Ort oder sonstiges.
Soweit wäre das frustrierend.
Nehmen wir weiterhin an, zum vierten Termin würde nicht der Professor, sondern sein Assistent mit den Worten “Entschuldigen Sie, dass ich ein wenig unvorbereitet bin, aber ich habe auch erst vor zwei Stunden erfahren, dass ich den Termin heute halten soll.” erscheinen. Die Vorlesung bestünde aus gemeinsamen Skript lesen, in welchem sich präzise recherchierte, bisher noch unveröffentlichte Erkenntnisse befänden, beispielsweise ein Stattfinden der Terroranschläge am 11. September 2002 (und einige Andere, zu denen mir aber grade die natürlich nicht realen Textbelege fehlen).
Soweit käme ich mir verarscht vor.
Nehmen wir weiterhin an, ich bräuchte noch einen Leistungsnachweis und schreibe daher die Klausur mit, bei einem Einsatz in etwa auf Niveau der gefühlten Organisation der Vorlesung. Das Ergebnis wäre sehr durchschnittlich, ich könnte aber mit der Zusage im Hinterkopf leben: “den Schein kann man auch unbenotet ausstellen.”
Soweit wäre das erträglich.
Nehmen wir aber weiterhin an, dass ich nach der Klausur drei oder vier mal am Büro dieses rein fiktiven Lehrstuhls wegen meinem Schein vorbeigeschaut habe, mir Mal für Mal eine andere Begründung gegeben wurde (”Noch nicht fertig”, “Assistent nicht da”, “Noch nicht dazu gekommen, wir melden uns wenn wir was haben”, …) und ich heute erfahren musste, dass die Ergebnisse einfach an unser Prüfungsamt weitergeleitet worden sind, mit dem Resultat, dass die Note nun zwingend im Zeugnis auftaucht.
Dann kotzt mich das an. Und zwar ganz real.
Schon erschreckend!
Aber tröste Dich:

Ich weiß schon, dass man ein bestmögliches Zeugnis nach dem Studium in den Händen halten möchte - wollte ich auch und hab ich auch erreicht
Jedoch, in Anbetracht der Tatsache, das Dein nächster Karriereschritt, der ja quasi vor der Haustüre liegt, wesentlich interessanter sein wird und wesentlich mehr und sinnvollere Referenzen bringen wird als das jemals ein (”aussagenschwaches”) Diplomzeugnis schaffen könnte, würde ich sagen, dass Dein Diplomzeugnis schon nach einem Jahr “sinnvolle” Arbeit kaum mehr relevant sein wird
Die Note geht glücklicherweise nicht mit in die Berechnung ein. Allerdings hat’s für mich die Qualität von Fettflecken …
Junge junge, das ist ja ein starkes Stück!
Wenn es diese rein hypothetische Vorlesung gäbe, wäre es sicherlich nicht schlecht, wenn sich das schlampige Verhalten dieses Lehrstuhls an der hypothetischen Univerität entsprechend rumsprechen würde, damit nicht noch mehr Leute darauf reinfallen. :-/ Sollte ich mal irgendwann in der Fachschaft hören, dass jemand ein Allgemeines Grundlagenfach hören möchte, bei dem es im weitesten Sinne um Photonen geht, werde ich jedenfalls darauf hinweisen.
Gruß,
Günther
Vielen Dank. Natürlich rein imaginär.
Hmm, das ist sehr sehr ärgerlich. Dieser imaginäre Prof mit seinem imaginären Assistent sind ja totale *******
Achja, war irgendwas am 11. September 2002? Ich glaube nicht. Ein Jahr vorher ist ein wichtiges Datum