Update 3 (19.3.2009):
Dabei fanden sie heraus, dass lediglich 41 Prozent dieser Studien wissenschaftlich validierte Kriterien für tatsächliche Aggression verwendeten. Der Rest stützte sich unter anderem auf nicht geeignete Fremd- oder Selbsteinschätzungen, wie sie in Deutschland beispielsweise vom ehemaligen niedersächsischen Innenminister Christian Pfeiffer eingesetzt werden. Je wissenschaftlicher die verwendeten Kriterien für Aggression waren, umso schwächer ausgeprägt waren die in den Studien festgestellten Korrelationen.
Danke, Heise.
Update 2 (13.3.2009): “Aber man darf und muss die Frage stellen: Braucht unsere Gesellschaft aggressive Dummheit und exzessive Ignoranz in der Politik? Meine klare Antwort: Auf diesen geistesverachtenden Schund können wir verzichten.” (Gedanken an Frau Merk (CSU))
Update (13.3.2009): Die Aussage von CDU Innenminister Rech ist also (frei nach Spiegel Online) so zu verstehen: Wir haben sichergestellt (und überprüft) (und mit irgendwelchen Computern verifiziert), dass wir auch dieses Mal wieder absoluten Bullshit verbreiten.
… wäre das Wort, das ich am ehesten mit den blinden Hüftschüssen von Uhl und Co. verbinde.
Ein 17-Jähriger auf dessen Computer Horrorfilme, Pornographie und CS gefunden wurden - möge bitte der Jugendliche ohne selbige jetzt bitte mal die Hand heben?
Jugendliche Gewalttäter und Ego-Shooter stehen in mindestens der gleichen Beziehung zueinander wie Altersdemenz und Volksmusik, aber so feine Unterschiede wie der zwischen Korrelation und Ursache scheinen in solchen Momenten niemanden zu interessieren - auch möchte ich nicht wissen wie viele Menschen Gewalttaten verüben grade weil sie an den Rand der Gesellschaft stigmatisiert wurden.
Dem Vorschlag von Schwind, seines Zeichens CDU-Politiker (welche im Allgemeinen ja für ihre filigranen Analysen diffiziler gesellschaftlicher Probleme bekannt sind) und Honorarprofessor an der Universität Osnabrück, fordert in dem Zusammenhang mal wieder ein generelles Verbot von Gewaltspielen.
Da mir an dieser Stelle vor lauter Aktionismus der eigene Sarkasmus in Hals stecken bleibt, möchte ich dieses Post einfach mit Zitaten aus einem sehr lesenswerten Artikel von Karen Sternheimer abschließen:
But in the ten years following Doom’s release, homicide
arrest rates fell by 77 percent among juveniles.
[...]
Politicians and other moral crusaders frequently create
“folk devils,” individuals or groups defined as evil and
immoral. Folk devils allow us to channel our blame and
fear, offering a clear course of action to remedy what many
believe to be a growing problem. Video games, those who
play them, and those who create them have become con-
temporary folk devils because they seem to pose a threat
to children.
[...]
Over the past century, politicians
have complained that cars, radio, movies, rock music, and
even comic books caused youth immorality and crime, call-
ing for control and sometimes censorship.
Und zusätzlich noch einen Part der sich speziell auf die amerikanische Gesellschaft bezieht:
When boys from “good” neighborhoods
are violent, they seem to be harbingers of a “new breed”
of youth, created by video games rather than by their social
circumstances. White, middle-class killers retain their status
as children easily influenced by a game, victims of an
allegedly dangerous product. African-American boys,
apparently, are simply dangerous.
Wenn mich jemand sucht, ich spiel’ ne Runde Left 4 Dead — zum abreagieren.